Was gegen Radikalisierung hilft? Ein Platz in der Gesellschaft.

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Seit 2014 existiert – durch einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss – das Wiener Netzwerk für Deradikalisierung und Prävention.

Nach zweijähriger Tätigkeit wurde nun eine erste Zwischenbilanz gezogen und die Expert_innengruppe des Netzwerks präsentierte 27 Empfehlungen zu verschiedenen Themenfeldern. Zentrale Aussage: Es braucht die Zusammenarbeit aller.

Als Vertreterin im Netzwerk freue ich mich darüber, dass wir als Stadt Wien das Thema bewusst, systematisch und mit konkreten Maßnahmen angehen. In den letzten zwei Jahren gab es Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu den Themen Religion, Salafismus, Dschihadismus, Identitäten, Migrationsgesellschaft, Mobbing, Gewaltprävention, Rechtsextremismus, Vorurteile und Kindeswohlgefährdung, die über 6.000 Teilnehmer_innen erreichten. Die erste Fachkonferenz Deradikalisierung, Prävention und Demokratiekultur Ende April 2015 im Rathaus fand mit 300 Teilnehmenden u.a. aus Politik, Stadtverwaltung, Wissenschaft, Sozial- und Jugendarbeit statt. Darüber hinaus wurde eine Reihe von schulinternen Lehrer_innenfortbildungen zum Thema Deradikalisierung und Prävention entwickelt, an der es allein im Schuljahr 2015/16 über 1.800 Teilnahmen gab.

Die Empfehlungen der Expert_innengruppe bestätigten aber auch unsere langjährigen Forderungen nach Reformen und nach Ressourcen für ein chancengerechtes und inklusives Miteinander. Gegen Radikalisierung hilft, einen Platz in der Gesellschaft zu haben. Und ein Fokus auf Bildung, Bildung, Bildung.

→ Vom lang geforderten Ethikunterricht an Schulen (der Religionsunterricht beinhaltet) über eine früh ansetzende und umfassende Medienkompetenzförderung, bis hin zu politischer Bildung und Demokratieunterricht.

→ Mehr Ressourcen für die Schulsozialarbeit und für die Schulpsychologie, eine geschlechtersensible Schuldidaktik, Aus- und Fortbildungen für Lehrer_innen und gelebte Diversität im Bildungsbereich.

→ Aber auch die Entmystifizierung von und Information und Aufklärung über politisch und religiös motivierten Extremismus in der medialen Vermittlung und deutliche Absagen aus der Politik an Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie.

Unterstützung bei der Sinn- und Identitätssuche, reale Chancen am Arbeitsmarkt und Perspektiven für die Zukunft? Das schaffen wir nur in breiten Allianzen. Mit Eltern, Jugendverbänden, Community-Gruppen, Schulen, mit Peer-Gruppen, der Jugend- und Sozialarbeit, mit Role-Models, mit den Glaubensgemeinschaften, mit interkulturellen Jugendgruppen, mit gelebter Vielfalt und interreligiösem Dialog. Und mit einer klaren Politik des Zusammenhalts. Einer Politik, die vorlebt, wofür sie steht und was sie von anderen fordert.

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