Integration geht tatsächlich uns alle an

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Im Rahmen der Debatte zum Budgetvoranschlag 2017 war es an der Zeit, sich bei den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen zu bedanken, die tagtäglich ihr Bestes geben, um anderen Menschen das Mindeste zu ermöglichen. Und die von der FPÖ bei jeder Gelegenheit schlecht geredet werden. Meine Rede im Wiener Gemeinderat am 13.12.2016:

Integration geht tatsächlich uns alle an. Und ja, es macht einen Unterschied, ob wir in einer Stadt leben, in der eineinhalb Parteien ständig gegen die Menschen in dieser Stadt poltern, sie diskriminieren, diffamieren und delegitimieren. Und es macht einen gravierenden Unterschied, auf welcher Seite der Regierungsbank diese Parteien sitzen.

Ihre Kollegin Schweiger-Stenzel hat Sie gestern selbst darum gebeten: Hören Sie auf, in Schablonen zu denken! Hören Sie auf, in die “guten” und die “schlechten” Europäer_innen einzuteilen. Und trotzdem machen Sie genau das hier in Wien!

An nichts haben Sie sich im letzten Jahr mehr abgearbeitet, als daran, zu versuchen die Arbeit von Tausenden Menschen schlecht zu machen und in den Dreck zu ziehen. Nichts verstört die Damen und Herren von der FPÖ mehr als gelebte Willkommenskultur. Und nichts prägte den Begriff der “Willkommenskultur” mehr als die vielen Privatinitiativen und die Tausenden Menschen, die sich seit letztem Jahr engagieren.

Sie haben Windeln gewechselt, Kinder getröstet, Essen gekocht und warme Mahlzeiten ausgegeben, haben medizinische Hilfe geleistet und übersetzt – allein am Hauptbahnhof waren täglich 300 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Privatpersonen, ehrenamtlich.

Die Privatinitiative Train of Hope wurde letztes Jahr, zu Recht, mit dem Menschenrechtspreis 2015 ausgezeichnet. Der Refugee Convoy erhielt den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage – just an dem Abend, an dem Ihre identitären Freunde eine Theateraufführung von Kriegsflüchtlingen, von Familien und Kindern, gestürmt haben und dafür kürzlich auch verurteilt wurden. Ist das Ihr Kunstverständnis?

Nichts prägte den Begriff der Willkommenskultur mehr als dieses Engagement und nichts anderes haben Sie hier ein Jahr lang rauf und runter gespielt, als zu versuchen, eben dieses Engagement zu verurteilen. Nichts ist abwertender, respektloser und unverschämter all diesen Menschen, all diesen Wienerinnen und Wienern, gegenüber als ihre grenzenlose Mißachtung und Diffamierung!

Bei Freiwilligenarbeit liegt Österreich im EU-Spitzenfeld. Über 720 Millionen Stunden werden pro Jahr in unbezahlte Arbeit investiert.

Unser Dank geht heute an all diese Menschen, die nicht erst nach dem Pass fragen, nach der Herkunft, nach dem Taufschein oder nach dem Geldbörsel, bevor sie Menschen die Hand ausstrecken und Hilfe leisten. Die Menschen, die tagtäglich Sozialarbeit und Integrationsarbeit leisten. Privatinitiativen wie Shalom Aleikum, die nicht aufgeben und „ihre“ Familien und neu gewonnenen Freunde betreuen und unterstützen und schützen gegen die Auswirkungen Ihrer Politik, gegen alle Widrigkeiten und Menschenrechtsverletzungen. Menschen aus migrantischen und aus muslimischen Communities wie die muslimische Jugend oder das Netzwerk muslimische Zivilgesellschaft, aus der Sikh-Community, die von 11 Uhr in der Früh bis 11 Uhr am Abend am Hauptbahnhof gestanden sind und gekocht haben, Schulklassen und Pfarren, von Liesing bis in die Innere Stadt, Nachbarschaftsinitiativen und einfach nur Privatpersonen. Danke Ihnen allen für Ihr Engagement, danke, dass Sie sich nicht unterkriegen lassen, danke, dass Sie Menschlichkeit selbstverständlich leben und danke, dass Sie uns allen ein solidarisches Miteinander vorleben.

Sie sollen wissen, dass Sie in der Stadt Wien eine Verbündete haben. Dass wir Ihre Arbeit schätzen und dass wir an Ihrer Seite sind.

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